1914 - 1945

Jahresbericht 1914 - 1918

Der Erste Weltkrieg belastet auch das Vereinsleben der UNION. Ein großer Teil der Mitglieder wird zum Militär eingezogen, der verbleibende ist bemüht, die Zusammengehörigkeit der Mitglieder aufrecht zu erhalten. Die sonst üblichen geselligen Veranstaltungen finden nicht statt; dagegen unterstützt der Verein durch „ Liebesgaben“ die im Kriegseinsatz befindlichen Soldaten. Mit Rücksicht auf die sorgenvolle Zeit wird 1918 von einer größeren Feier Abstand zum einhundertjährigen Bestehen Abstand genommen.

Dreizehn Mitglieder der UNION kehren aus dem Krieg nicht zurück. Es folgen schwere Jahre, in denen gerade die Kaufmannschaft um ihre Existenz ringen muss. Generalstreiks, Truppenbesetzungen, Inflation, Teuerungsunruhen fördern nicht gerade eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung. Dennoch bleibt der Mitgliederbestand des Vereins konstant. Weniger konstant dagegen die Clubräume. 1923 wechselt man wiederum das Domizil, dieses Mal in die ehemalige Lauthersche Schule am Fallerleber-Tor-Wall. Ziel ist es jedoch, irgendwann ein eigenes Vereinshaus zu erwerben. Die Möglichkeit dazu ergibt sich schneller als erhofft. Zum Verkauf steht die Villa Voigtländer am Löwenwall. Nach langwierigen Verhandlungen mit den Eigentümern und dem Verzicht der Stadt Braunschweig auf ihr Vorkaufsrecht wird der Kauf perfekt gemacht, allerdings nur mit erheblicher finanzieller Unterstützung namhafter Braunschweiger Unternehmer aus dem Kreis der Mitglieder. Wesentliche Hilfe bei den Kaufverhandlungen erfährt die UNION durch Minister Jaspers und Oberbürgermeister Dr. Trautmann. Neuer Vorsitzender der UNION wird Carl Heimbs. Er und weitere Mitglieder dieser Familie werden in den kommenden Jahrzehnten wichtige Rollen im Leben des Vereins spielen.

Nachdem der 100. Gründungstag 1918 nicht entsprechend begangen werden konnte, feiert man das 110jährige Bestehen im Oktober 1928 besonders ausgiebig mit einem Kommers in den Clubräumen und einem Festessen im Spiegelsaal des Wilhelmsgartens. Oberbürgermeister Dr. Trautmann schildert in seiner Glückwunschansprache die Wandlungen, die der Beruf des Kaufmannes im Verlaufe der Vereinsgeschichte erlebt hat.


Verschiedene gesellige Veranstaltungen und interessante Vorträge prägen das Vereinsjahr 1928/29. Weiterhin werden Kurse im Kaufmännischen Rechnen, Englisch und Französisch angeboten. Die Bibliothek mit ihren 3000 Bänden hat im neuen Heim eine würdige Unterbringung gefunden, und ein Archiv mit Dokumenten aus der Vereinsgeschichte wird eingerichtet. Der Kauf des eigenen Hauses belastet die Vereinskasse mehr als erwartet. Die Mitgliederversammlung beschließt daher, die Mitgliedsbeiträge um 50 Prozent von 20,- Reichsmark auf 30,- Reichsmark zu erhöhen.
Außer dem Vorstand und sieben Beisitzern bestehen in dieser Zeit zahlreiche Ausschüsse: Ein Haus- und Wirtschaftsausschuss, ein Aufnahmeausschuss, ein Ausschuss für Vortragsabende, ein Ausschuss für Unterricht und für Sprachkurse sowie ein Vergnügungsausschuss. Die im März 1930 beschlossene neue Satzung  nennt als Zweck des Vereins die "Pflege kaufmännischen Standesbewusstseins seiner Mitglieder, die Förderung der kaufmännischen Berufsbildung und der Geselligkeit". Der Auflösungsparagraph sieht nunmehr vor, dass 75% der gesamten Mitglieder des Vereins seine Auflösung beschließen können. Die Mitgliederzahl beträgt 443.
Inzwischen wirkt sich die Weltwirtschaftskrise mit nachfolgender Massenarbeitslosigkeit auch auf die UNION aus. Mitglieder verlassen den Verein, und das Programm muss reduziert werden. Im August 1933 hat der Verein nur noch 276 Mitglieder, darunter 213 selbständige Kaufleute und 63 Angestellte.

Vier Jahre später interessieren sich die neuen nationalsozialistischen Machthaber für das Unionshaus am Löwenwall.  Dem Vorstand um Carl Heimbs kommt diese Anfrage nicht ungelegen, denn die UNION benötigt aufgrund wieder gestiegener Mitgliedszahlen mittlerweile größere Räume. Im Februar 1938 wird erwirbt die Stadt Braunschweig das Haus mit Inventar für die NS-Frauenschaft. Die Veranstaltungen der UNION finden nun wieder in Dannes Hotel, im Park-Hotel und im Hotel „Deutsches Haus“ statt.

Der Beginn des zweiten Weltkriegs beeinflusst das Vereinsleben. Im Oktober 1939 beschließt der Vorstand, dass die Beitragszahlungen während des Krieges ruhen und keine Veranstaltungen statt-finden. Lediglich ein Stammtisch, ein Spielabend sowie ein monatliches zwangloses Beisammensein mit den Ehefrauen werden fortgeführt. 1941 legt Carl Heimbs sein Amt als Vereinsführer der UNION nieder und bestimmt zu seinem Nachfolger den bisherigen 2. Vorsitzenden Karl Stöber. Carl Heimbs wird zum Ehrenpräsidenten ernannt. Neues Clubheim wird das „Haus zur Hanse“ in der Güldenstraße, das Heimbs und Stöber zuvor zu gleichen Teilen erworben haben.

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