Am 5. Oktober 1818 verfassen fünf junge Männer in Braunschweig ein Rundschreiben, ein "Circulair", mit folgendem Inhalt:

"Schon oft und von vielen Seiten ist der Wunsch geäußert worden, hier in Braunschweig einen Club für junge Männer von gebildetem Stande errichtet zu sehen. Leider fehlt es uns bisher noch immer sehr an Gelegenheit in einem Zirkel nach Vollendung der Geschäfte die Abende angenehm zu verleben und durch gegenseitige Unterhaltung, Spiele und dergl. die Zeit zu verkürzen. Bremen, Hannover und andere bedeutende Orte haben solche Vereine unter sich gebildet, und durch den mehrjährigen Bestand diese Vereine, bekundet sich die Zweckmäßigkeit derselben von selbst. Unterschriebene erlauben sich daher auf Obiges gestützt, eine Anzahl Herren zur Bildung eines Clubs, ergebenst einzuladen. Sobald wir durch hinlängliche Unterschriften zur Teilnahme uns in den Stand gesetzt sehen ein Local zu miethen. werden wir sämptliche resp: Theilnehmer zu einer Haubtversammlung einladen, um zur Wahl eine Direction u.s.w. zu schreiten und um die nöthigen Gesetze in Vorschlag zu bringen. Da die Gesellschaft im ersten Jahre noch nicht zahlreich genug sein dürfte, so schlagen wir vor: nur Vier Tage der Woche zu Clubtagen zu bestimmen; nämlich: Sonntag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend; an den Wochentagen könnten die Zimmer um 6 Uhr Abends geheitzt sein und des Sonntags um 1 Uhr Nachmittags. Zur Unterhaltung werden einige Zeitschriften, Zeitungen, ein Billard, Schach und andere Spiele und späterhin musicalische Instrumente bereit sein, und überhaupt wird ein Jeder gewiß gern zu freundschaftlicher Verkürzung der Zeit die Hand bieten. Die Kosten des Unternehmens können sich, nach bereits gemachter Berechnung nicht hoch belaufen und die alljährlichen Beiträge können um so billiger gestellt werden, jemehr Teilnehmer wir erlangen. Das Nähere über die Einrichtung, das Local und dem Anfange dieses Clubs, behalten wir uns vor. Sobald eine gehörige Anzahl Interessenten gezeichnet haben, werden wir das Weitere dann zu berichten die Ehre haben."

Braunschweig den 5. October 1818
Chr. Reidemeister- Friedr .Timaeus Hermann - Refardt Wilh. Eschrich - F. W. Sieling

Diesem Aufruf folgen 65 Herren, ein Zeichen dafür, wie groß das Bedürfnis ist, sich in einem solchen Zirkel zusammenzuschließen. Und so wird bereits wenige Tage später, am 18. Oktober 1818, der Club unter dem Namen UNION gegründet. 1. Vorsitzender wird der Mitgründer Christian Reidemeister.

Das gesellige Leben im "mittleren Bürgerstand" – also auch in der  Kaufmannschaft – spielt sich in der Biedermeierzeit vornehmlich in Familienzirkeln sowie in Clubs, bei  Kränzchen und Picknicks ab. Die Männer treffen sich in Rauch-, Bier- oder Spielclubs; die Frauen kommen bei Kaffee- und Teekränzchen zusammen und selbst Kinder wohlhabender Eltern sowie die vornehmere Klasse der Dienstboten pflegen schon ihre Kränzchen unter sich. "Die Erholungsstunden zweckmäßig und auch angenehm" zu verbringen, gehört seit der Gründung zu den Hauptanliegen der Unions-Mitglieder.

Statuten für Stellenvermittlung

Statuten für Stellenvermittlung

1872 wird die Stellenvermittlung erweitert und auch auf Lehrlinge ausgedehnt . 1874 erscheinen in acht Paragraphen „Statuten für das Bureau für Stellenvermittlung der „Union Verein junger Kaufleute zu Braunschweig". Neu ist die Bezeichnung" Verein junger Kaufleute zu Braunschweig", die wohl als Abgrenzung zur "Kaufmanns-Halle" seit dem Anschluß an die "Genossenschaft junger Kaufleute Deutschlands" geführt wird.
Die geselligen Veranstaltungen, noch immer Hauptzweck der UNION, werden zu dieser Zeit mit der "Kaufmanns-Halle" gemeinsam durchgeführt. Auf dem Programm stehen Konzerte, Maskeraden, Bälle, Sommervergnügen und noch immer die beliebten Tanztees.
Nach 30 Jahre währender Zusammenarbeit trennt sich die UNION im Jahre 1880 von der „Kaufmanns-Halle“. Ziele und Mitgliederstrukturen sind wohl doch zu unterschiedlich. Die langwierigen Verhandlungen zuvor gestalten sich vor allem deshalb schwierig, weil mehrere Mitglieder der "Kaufmanns-Halle" nach wie vor auch der UNION angehören.

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